10.23.2017

Editorial

Land und Wirtschaft 3/2017

Herr Dr. Cordts - Editorial

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

die Würfel sind gefallen – Deutschland hat einen neuen Bundestag gewählt. Damit beginnt wieder eine neue Legislaturperiode, in der unser Gesetz­ geber neue Chancen erhält, notwendige und sinnvolle Entwicklungen voran­ zutreiben. Welchen Umfang werden dabei Maßnahmen einnehmen, die den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig stärken?

Die Unternehmer verfolg­ ten die Wahlergebnisse gespannt. Zu viele von ihnen haben in den vergangenen Jahren den Eindruck gewonnen, dass die große Koalition nach dem Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners zu wenig bewegt hat. Nun ist zu hoffen, dass die zukünftige Regierung den Mut und die Kraft hat, lange überfällige Maßnahmen umzusetzen: Zum Beispiel den konsequenten flächendeckenden Breitbandausbau – deutschlandweit und ohne bevölkerungsschwächere Regionen zu vernachlässigen. Andernfalls werden Unternehmen im ländlichen Raum, die ihren Mitarbeitern als elektronische Arbeitsmittel nur Internet im Schneckentempo an­ bieten können, abgehängt – und die Menschen in den unterversorgten Gebieten ebenfalls. Unternehmer können aus eigener Kraft vieles bewältigen, aber gerade diesen Strukturmangel nicht.

Immer wichtiger für die Unternehmen wird auch eine flächendeckende, zuverlässige Kinderbetreuung. Nicht jeder Betrieb kann diese für seine Mitarbeiter selbst anbieten. Ein verlässliches Angebot zur Ganz­ tagskinderbetreuung gehört daher ebenso zu den Forderungen an die neue Bundesregierung, wie die Zusammenführung der unterschiedlichen Bildungssysteme der Bundesländer. Bereits heute ist die Situation auf den Arbeitsmärkten angespannt. Um den absehbaren demografischen Entwicklungen begegnen zu können, benötigen die Unternehmen verstärkte Unterstützung in der Aus­- und Weiterbildung, wenn Mitarbeiter flexibler eingesetzt werden sollen.

Es ist auch zu hoffen, dass die neue Bundesregierung längst überfällige steuerliche Entlastungen des Mittelstandes durchsetzen wird. Lange genug hat die kalte Progression Durchschnittsverdiener kontinuierlich Richtung Spitzensteuersätze gedrückt und mit hohen Abgaben belastet.

Die Wunschliste der kleinen und mittelständischen Unternehmen an die neue Bundesregierung beinhaltet noch viele weitere Punkte. Der Staat ist nun gefordert, ihnen dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen und verlässliche Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, sodass sie ihre Aufgaben eigenverantwortlich mit unternehmerischem Engagement erfüllen können.

­

Ihr

 

Unterschrift Dr. Cordts