04.27.2017

Einkommens- und Steuerglättung für Land- und Forstwirte

Wer profitiert?

 Nach langem Hin und Her einigten sich Bundesregierung und Bundesrat im Dezember 2016 auf ein neues Hilfspaket für die Landwirtschaft. Angesichts der in vielen Betrieben äußerst angespannten wirtschaftlichen Situation infolge der anhaltenden schwierigen Lage auf den Erzeugermärkten haben die Europäische Union und der deutsche Gesetz geber verschiedene Fördermaßnahmen erlassen. So wer den Liquiditätsbeihilfen an aktive Milcherzeuger gewährt, die ihre Milchanlieferung gegenüber einem fest definier ten Bezugszeitraum nicht erhöhen. Weiterhin wurden Entlastungen in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung und spezielle Bürgschaftsprogramme für Milchviehbetriebe beschlossen. Eine steuerliche Fördermaßnahme ist die bis 2022 befristete Einkommens- und Steuerglättung. Hiervon profitieren nicht nur Milchviehbetriebe, sondern alle Steu erpflichtige mit land- und forstwirtschaftlichen Einkünften.
 
Ziel der Einkommens- und Steuerglättung ist eine Nivellierung von zeitlichen Einkommensschwankungen, um den Effekt des progressiven Verlaufs des Einkommensteuertarifs abzumildern. Dazu wurden drei feste Betrachtungszeiträume festgelegt, über die die landwirtschaftlichen Einkünfte geglättet werden. Der erste Betrachtungszeitraum umfasst die Jahre 2014 bis 2016, der zweite die Jahre 2017 bis 2019 und der dritte Betrachtungszeitraum die Jahre 2020 bis 2022.Für alle drei Jahre eines Betrachtungszeitraumes werden die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft „fiktiv“ in Höhe des Durchschnittswertes über alle drei Jahre angesetzt. Beispiel: Die tatsächlichen Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft betragen in 2014 100.000 Euro, in 2015 60.000 Euro und in 2016 ergeben sich negative Einkünfte von 30.000 Euro. Die „fiktiven“ Einkünfte für 2014, 2015 und 2016 belaufen sich nun jeweils auf den Durchschnittswert des Dreijahreszeitraums in Höhe von 43.333 Euro. Von dieser steuerlichen Einkommensglättung profitieren insbesondere Steuerpflichtige mit stark schwankenden Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, deren Gesamteinkünfte innerhalb der Progressionszone des Steuertarifs liegen. Steuerpflichtige mit innerhalb des dreijährigen Betrachtungszeitraumes gleichbleibend sehr niedrigen Einkünften unterhalb des Grundfreibetrages oder Verlusten und auch Steuerpflichtige mit gleichbleibend sehr hohen Einkünften, die mit dem linearen Spitzensteuersatz von 42 Prozent besteuert werden, haben dagegen keine Vorteile von einer Einkommensglättung.
Einkommensteuertarif 2016 (Splittingtarif) - L&W 1/2017
Die „fiktive“ Steuerermittlung wird einmalig für das letzte Jahr des dreijährigen Betrachtungszeitraumes vorgenommen, da vorher noch kein dreijähriger Durchschnittswert ermittelt werden kann. Erstmals im Einkommensteuerbescheid 2016 werden also auch die Auswirkungen der Einkommensglättung für die Jahre 2014 und 2015 berechnet. Für die beiden nachfolgenden Betrachtungszeiträume erfolgt die Berechnung entsprechend im Rahmen der Steuerbescheide für 2019 beziehungsweise 2022.
Von der Einkommensteuerglättung profitieren nicht ausschließlich Milchviehbetriebe, sondern alle Einkommensteuerzahler mit Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft. Auch landwirtschaftliche Einkünfte aus einer Personengesellschaft oder aus einem verpachteten Betrieb werden begünstigt. In die Einkommensglättung werden aber ausschließlich Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft im Sinne des Einkommensteuerrechts einbezogen, das heißt umgekehrt keine Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb, einer freiberuflichen Tätigkeit oder aus anderen Einkunftsarten. Ausgeschlossen von der Vergünstigung sind damit auch landwirtschaftliche Betriebe körperschaftsteuerpflichtiger Unternehmen, wie zum Beispiel GmbHs, AGs oder Genossenschaften. Bei diesen würde sich zwar aufgrund des linearen Körperschaftsteuertarifs ohnehin kein Effekt aus einer Tarifglättung ergeben, wohl aber bei bestimmten Konstellationen mit einzelnen Verlustjahren durch eine wirksamere Einkommensglättung im Zeitablauf.
Beispiel: Einkommens- und Tarifglättung für land- und forstwirtschaftliche Einkünfte - L&W 1/2017
Da die neue Einkommensglättung nicht wahlweise erfolgt, sondern vom Finanzamt aufgrund der gesetzlichen Regelung automatisch durchgeführt wird, könnte sie in ganz speziellen Einzelfällen auch zu einer steuerlichen Mehrbelastung führen, wenn die „fiktiv ermittelte Einkommensteuer“ im Betrachtungszeitraum höher als die tatsächliche Einkommensteuer ist. Der Gesetzgeber hat bewusst auf ein Wahlrecht oder Antragsverfahren verzichtet, um ein Anlastungsverfahren der EU-Kommission wegen EU-widriger Subventionierung zu vermeiden. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Gesetzesregelung erst wirksam wird, wenn die EU-Kommission festgestellt hat, dass diese EU-rechtskonform ist. Diese Feststellung lag bei Redaktionsschluss von Land & Wirtschaft noch nicht vor.