10.08.2018

…Dürre setzt Milchviehbetriebe erneut massiv unter Druck

Erste Jahresabschlüsse 2017/18 signalisieren zwar eine wirtschaftliche Erholung, aber …

Die norddeutschen Milcherzeuger blicken auf wirtschaftlich magere Jahre zurück. Die erste statistische Auswertung von Jahresabschlüssen des gerade abgeschlossenen Wirtschaftsjahres 2017/18 zeigt zwar Signale einer wirtschaftlichen Erholung nach der Milchpreiskrise – jedoch verdüstern die absehbaren Auswirkungen der extremen Dürre dieses Sommers wieder die Aussichten für das gerade angebrochene Wirtschaftsjahr 2018/19.
 
Milchviebetriebe Schleswig-Holstein - pauschalierend (L&W 3/2018) Die ersten Jahresabschlüsse für das Wirtschaftsjahr 2017/18 belegen eine wirtschaftliche Erholung in vielen Milchviehbetrieben im Beratungsgebiet des Landwirtschaftlichen Buchführungsverbandes. Die ersten statistischen Auswertungen für Betriebe aus Schleswig-­Holstein ermöglichen genauere Aussagen zum Erfolgsanstieg, der sich aufgrund der gestiegenen Milcherlöse bereits im Wirtschaftsjahr abzeichnete: Lag der Milcherlös einschließlich Zuschlä­gen der Molkereien und 10,7 Prozent Umsatzsteuer im Wirtschaftsjahresmittel 2016/17 noch bei 33 Cent pro Kilogramm, so wurde für das gerade abgeschlossene Wirtschaftsjahr 2017/18 die 40-Cent-Schwelle im Gesamtmittel knapp überschritten.
Das Ausscheiden von wirtschaftlich schwächeren Betrieben infolge der Milchpreiskrise beschleunigte den Strukturwandel bei den Herden- und Betriebsgrößen. Seit Ende des Wirtschaftsjahrs 2015/16 stieg die mittlere Herdengröße der ausgewerteten Betriebe von 106 auf 123 Kühe pro Betrieb. Im gleichen Zeitraum erfolgte ein Anstieg der selbst bewirtschafteten Fläche um circa zehn Hektar auf knapp 120 Hektar. In der Gruppe der 25 Prozent erfolgreicherer Betriebe waren die Wachstumsschritte der Herden noch etwas größer; die Flächenerweiterung war dagegen etwa gleich hoch wie im Durchschnitt.
Die „Krisen“-Wirtschaftsjahre 2014/15 und 2015/16 führten zu starken Einbußen der landwirtschaftlichen Erträge und ließen die Gewinne pro Hektar teils unter 150 Euro einbrechen – mit entsprechenden Eigenkapitalverlusten von etwa 350 Euro pro Hektar und Wirtschaftsjahr. Viele Betriebe konnten „von Glück reden“, wenn sie eine „schwarze Null“ erreicht hatten. Die beiden folgenden Wirtschaftsjahre 2016/17 und 2017/18 ergaben zwar einen deutlichen Gewinnanstieg – insbesondere infolge höherer Milchpreise. Die beträchtlichen Eigenkapitalverluste der Vorjahre konnten jedoch in dieser kurzen Zeit nicht kompensiert werden. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wachsen die Abstände zwischen erfolgreichen und abfallenden Betrieben noch stärker als sonst auseinander. Unberücksichtigt bleiben bei dieser Betrachtung auch die teilweise erheblichen Vermögensverluste der ausgeschiedenen Betriebe, deren Wirtschaftsergebnisse naturgemäß gar nicht mehr in statistische Auswertungen einfließen.
Die Zusammenfassung aller Kennzahlen lässt aktuell für viele Betriebe auf eine erfolgreiche Überwindung der Milchpreiskrise schließen – wären da nicht bereits jetzt für jedermann sichtbar die Folgen der extremen Dürre im gerade angefangenen Wirtschaftsjahr 2018/19: Die Siloplatten sind teilweise leer. Der Ertragsrückgang beim ersten und zweiten Grünlandschnitt wird auf 20 bis 30 Prozent geschätzt. Der regionale Totalausfall beim zweiten und dritten Schritt ist für jedermann erkennbar. Die Ertragsausfälle sind genauso gravierend beim Silomais; hier wird sich in einigen Gebieten der zusätzliche Wettbewerb durch Biogasanlagen noch erheblich zuspitzen und die Grundfutterpreise in die Höhe treiben – sofern überhaupt etwas gewachsen ist. In vielen Fällen wird eine Reduzierung der Kuhzahl nicht zu vermeiden sein. Auch die angekündigten Liquiditätshilfen werden nicht in allen Bedarfsfällen zeitig genug in ausreichender Höhe greifen.
Erste Expertenschätzungen kalkulieren für das aktuelle Wirtschaftsjahr 2018/19 mit einem leichten Anstieg der Getreideerlöse, einem Abfall der Milcherlöse um circa fünf Prozent sowie einem Anstieg der Futterkosten um mindestens zehn Prozent im Vergleich zur Vorperiode 2017/18. Der Gewinnrückgang wird derzeit auf etwa 40 Prozent geschätzt – mit der Folge teilweise erheblicher Eigenkapitalverluste in vielen Betrieben.