Impressionen der Jahrestagung 2018


Der Mensch im Mittelpunkt

Landwirtschaftliche Unternehmer und Mitarbeiter stehen aufgrund ständig steigender Anforderungen immer öfter unter erheblichem Druck. Wer sich hierbei überfordert, läuft Gefahr, den Betrieb, seine Familie und sich selbst aufs Spiel zu setzen. Gründe genug für den Landwirtschaftlichen Buchführungsverband, die Bedeutung der sogenannten weichen Faktoren für die Betriebsführung in den Mittelpunkt seiner diesjährigen Jahrestagung zu stellen. Mehr als 400 Gäste verfolgten gespannt die Veranstaltung am 17. Januar 2018 in Neumünster und nutzten die Gelegenheit zum regen Austausch.

Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck riet in seinem Grußwort dazu, angesichts schlechten Wetters, überlaufender Güllebehälter und Schweinepest nicht in Panik zu verfallen, sondern vernünftig zu agieren. Wenn zum Beispiel ALDI ankündige, zukünftig Produkte, die unter Einsatz von Glyphosat erzeugt werden, auszulisten, dürfe die Politik die Bauern nicht alleine lassen. "Die Zeit ist reif für einen neuen Gesellschaftsvertrag im Miteinander statt im Gegeneinander. Wenn wir den Konsens zwischen Verbrauchern und Landwirten nicht hinbekommen, wie wollen wir dann die großen drängenden gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit bewältigen?", so Habeck.

Landwirtschaftsminister Dr. Robert Habeck riet in seinem Grußwort dazu, angesichts schlechten Wetters, überlaufender Güllebehälter und Schweinepest nicht in Panik zu verfallen, sondern vernünftig zu agieren. Wenn zum Beispiel ALDI ankündige, zukünftig Produkte, die unter Einsatz von Glyphosat erzeugt werden, auszulisten, dürfe die Politik die Bauern nicht alleine lassen. "Die Zeit ist reif für einen neuen Gesellschaftsvertrag im Miteinander statt im Gegeneinander. Wenn wir den Konsens zwischen Verbrauchern und Landwirten nicht hinbekommen, wie wollen wir dann die großen drängenden gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit bewältigen?", so Habeck.

Detlef Kurreck, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, verwies in seinem Grußwort auf die enormen Betriebsentwicklungen im Osten. "Was das in Zukunft für den Generationswechsel bedeutet, lässt sich besonders bei Personengesellschaften nachvollziehen, wenn ein Gesellschafter ausscheidet!" Es stelle die Nachfolgegeneration oftmals vor eine schier unlösbare Aufgabe, die Forderung des Altgesellschafters zu erfüllen, was oft zum Verkauf ganzer Betriebe führe. Die gesamte Branche stehe vor großen Umbrüchen, die einen gesamtgesellschaftlichen Plan erfordern würden.

Kennzahlen kennen und kontrollieren

Karl Heinz Mann von der Ländlichen Betriebsgründungs- und Beratungsgesellschaft LBB aus Göttingen, laut Moderator Prof. Martin Braatz "seit 40 Jahren eine feste Größe in der landwirtschaftlichen Beratung" hob in seinem Eingangsvortrag auf den Erfolgsfaktor Mensch ab. Der Weltmarktpreis für Getreide sei binnen 20 Jahren um ein Drittel auf 150 €/t gesunken, während sich die Flächenkosten mit über 400 €/ha mehr als verdoppelt hätten. Nur den 25 % besseren Betrieben sei es gelungen, Flächen zuzukaufen und Kredite abzulösen, während in der überwiegenden Zahl der Betriebe die Wirtschaftsergebnisse gerade einmal zur Deckung der Lebenshaltungskosten ausreichten. Erfolgreiche Unternehmer würden auch schwierige Situationen meistern; für sie seien Kostenplanung und -kontrolle selbstverständlich und die Unternehmensziele geklärt. Laut Mann seien heute die Mitarbeiter vieler Betriebe überaltert und der Markt für Fachkräfte leer gefegt. Ein Ausweg aus dem Dilemma sei die verstärkte eigene Ausbildung zukünftiger Mitarbeiter.

Grundsätzlich sei auf eine leistungsgerechte Bezahlung der Mitarbeiter zu achten. Auch sei klar, regelmäßig und respektvoll miteinander zu sprechen, um die Erwartungen und Ziele abzugleichen. "Nichts geht über persönliche Anerkennung." Wenn einmal ein Fehler vorkommt, sei die "WSSV-Frage" "Was schlagen Sie vor?" hilfreicher als ein "Warum ...?", mit dem sich Mitarbeiter schnell in einer Rechtfertigungsfalle sehen, die oftmals dazu führe, dass sich Verhaltensweisen weiter verfestigen. Durch Rationalisierung frei werdende Zeit sollte verstärkt privat genutzt werden. Um Rückhalt in der Familie zu erhalten, müsse sie in wesentliche Unternehmensentscheidungen einbezogen sein. Die nachfolgende Generation zur Eigenverantwortung zu erziehen, ihr Entwicklungen und Erfahrungen auch außerhalb des eigenen Betriebes zu ermöglichen und rechtzeitig die Betriebsübergabe zu vollziehen, sei die beste Investition in die Zukunft.

Unternehmensführung gestalten

Nach Überzeugung von Enno Karstens, Fachbereichsleiter der betriebswirtschaftlichen Beratung der Landwirtschaftskammer, blieben die Schlüsselfaktoren, wie Effizienz, Unternehmens- und Mitarbeiterführung sowie eine strategische Ausrichtung des Unternehmens weiterhin bedeutungsvoll. Die Verantwortung für Familie und Mitarbeiter rücke zunehmend in den Fokus, wobei auch Fragen nach dem Sinn, der Wirksamkeit und der Nachhaltigkeit zu beantworten seien. Neben dem Können seien Innovationskraft und Kreativität gefragt. Unternehmer bei Veränderungs- und Entscheidungsprozessen hilfreich zu begleiten sowie in Fragen der Mitarbeiterführung mit Coaching und Konfliktbearbeitung zu unterstützen, würden in der Beratung stark an Bedeutung gewinnen.

Dr. Sabine Paasche, systemischer Businesscoach aus Magdeburg, hat die Entscheidungsprozesse in Unternehmen analysiert. Das Geheimnis guten Entscheidens bestehe darin, Bauch und Verstand gemeinsam "mitreden" zu lassen. Ihr Rat ist, seiner Erfahrung und Intuition zu trauen und sich bei komplexen Entscheidungen helfen zu lassen, dabei Stress zu vermeiden, um bewusst unternehmerische Risiken eingehen zu können. "Macht eine Entscheidung noch Sinn, nachdem sie durchgerechnet wurde? Fühlt es sich gut an und motiviert sie dazu, sie auch umzusetzen? Passt sie zu den eigenen Fähigkeiten, Wünschen und Träumen?" Wenn diese Fragen bejaht werden können, dann sei es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine gute Entscheidung, ist Paasche überzeugt.

Torsten Müller, Treurat + Partner Unternehmensberatung, erklärte, wie man vom Chef zum Coach wird, um seine Mitarbeiter gezielt zu unterstützen. "Die Zufriedenheit ist das Schmieröl im Getriebe des Unternehmens", so Müller. Ein Chef führe, gebe eine Hierarchie vor, kontrolliere und weise an. Dieser Motivation von außen folge die nach innen, die für die Mitarbeiterbindung erfolgreich sei. Als Coach würde eine Unternehmerpersönlichkeit seine Mitarbeiter fördern, ihnen Verantwortung übertragen und ihre Stärken herausstellen.

Arbeitsorganisation verbessern

Bastian Bornholdt, RSH Neumünster, hob hervor, dass mit steigenden Kuhzahlen in wachsenden Betrieben vermehrt angestellte Arbeitskräfte benötigt würden, deren Aufgaben und Zuständigkeiten klar geregelt sein sollten. "Braucht ein Betrieb zum Beispiel einen Herdenmanager mit Führungsverantwortung oder reicht ein "Herdsman", der am Tier arbeitet, aus?" Eine klare Arbeitsplatzbeschreibung helfe in solchen Fällen. Nur eine strukturierte Arbeitsorganisation schaffe geregelte Arbeitszeiten und klare Aufgabenteilungen. Gespräche mit Mitarbeitern würden deren eigenständiges Arbeiten und Motivation fördern gemäß dem Motto: "Arbeite an dem Unternehmen, nicht nur in ihm!"

Rainer Carstens zeigte am Beispiel seines Unternehmens Westhof Biogemüse in Friedrichsgabekoog, in dem alle seine vier Kinder eigenverantwortlich mit tätig sind, wie ein geschlossenes System der Gemüseproduktion auf dem Feld und unter Glas zu einer Erfolgsstory eines Familienunternehmens werden kann. Während der Saison werden im ganzen Unternehmen rund 200 Menschen beschäftigt. Mehr als 30.000 t Gemüse inklusive Zukauf werden jährlich verarbeitet und über den eigenen Biohandel vermarktet, 10.000 t gehen in die betriebseigene Biofrosterei. Aussortiertes Gemüse wird über die eigene Biogasanlage verwertet und deren Abwärme der Biogasanlage in der Frosterei, CO2 in den Gewächshäusern und Gärreste als Düngemittel genutzt. Das funktioniere alles natürlich nur mit guten Mitarbeitern.

Welchen Beitrag Smartphones und Tablets bei der Arbeitsorganisation leisten können, erklärte Dr. Johann-Christoph Meyer zu Bentrup, LBG Bioenergie Glasin. In dem Großbetrieb mit sieben Betriebszweigen wird eine spezielle Managementsoftware eingesetzt, die alle wesentlichen anfallenden Daten unmittelbar bei der Entstehung in einer zentralen Datenbank erfasst, in der auch Kennzahlen zum Warenbestand und aus der Buchführung vorgehalten werden. Dadurch entstünden keine Abstimmungsfehler und die benötigten Informationen würden schnell gefunden. Eine ständige Datenverfügbarkeit und übersichtliche Datenaufbereitung, die auch die älteren Mitarbeiter sehr zu schätzen wüssten, verbessere die Arbeitsorganisation und beschleunige die Entscheidungsprozesse.

Rechtliche und steuerliche Themen

Der Justiziar und stellvertretende Generalsekretär des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Michael Müller-Ruchholtz, empfahl mit Nachdruck, Arbeitsverträge schriftlich abzufassen, in denen Rahmenbedingungen wie Probezeit, eventuelle Befristungen der Arbeitsverhältnisse, Kündigungsfristen sowie Urlaubsansprüche, Arbeitszeiten und Überstundenvergütungen geregelt seien. Wenn es einmal zu arbeitsgerichtlichen Verfahren kommen sollte, sind Arbeitgeber mit schriftlichen Arbeitsverträgen auf der sicheren Seite.

Auch Steuerberater Erwin Hack vom Landwirtschaftlichen Buchführungsverband betonte, dass klare Abmachungen, insbesondere bei kurzfristigen Arbeitsverhältnissen, unerlässlich seien. Er machte unter anderem auf die Fallstricke in der Sozialversicherung aufmerksam und veranschaulichte die Zeitgrenzen und Modalitäten, die bei Erntehelfern und Minijobs in der Landwirtschaft einzuhalten sind.

Steuerberaterin Denise Scholl vom Buchführungsverband stellte in ihrem Vortrag "Mehr Netto vom Brutto" verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten zur Gewährung von Sachentlohnungen vor, die Arbeitgeber für ihre Arbeitnehmer nutzen könnten. Hierunter fällt zum Beispiel die Überlassung von Diensthandys, Tankgutscheinen, Kindergarten- oder Fahrtkostenzuschüssen. Sie gab aber auch zu bedenken, dass Sachzuwendungen kurzfristig zwar mehr Geld in die Kasse der Arbeitnehmer bringen, sich aber oftmals nicht positiv auf deren spätere Rentenansprüche auswirken würden.

FAZIT

Um nicht an der steigenden Aufgabenkomplexität zu scheitern, ist in der Landwirtschaft auf den Faktor Mensch deutlich mehr Augenmerk zu richten. Prozesskontrolle durch Coaching hält vermehrt Einzug in die nachhaltige Unternehmensführung, je mehr die Betriebe wachsen und Mitarbeiter erfordern.

Dr. Bärbel Bischoff, freie Journalistin